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Ein Jahr unterwegs … mit Schulleitungen / Teil 4

20.05.2022
Gegen Ende Schuljahr gibt es für die Schulleitungen einiges zu tun: Claudia Stern hat an der Primarstufe Gotthelf eine Einstiegsgruppe mit ukrainischen Kindern aufgebaut. Anja Renold organisiert am Gymnasium Kirschgarten gleich zwei Jubiläen. Und Daniel Morf beschäftigt sich an der Sekundarschule De Wette mit der PISA-Studie – und der Schule der Zukunft.

Ukrainische Kinder im NMG-Zimmer

Bild Legende:
Der Aussenblick der ukrainischen Lehrerin regt Schulleiterin Claudia Stern zum Denken an. Foto Grischa Schwank

Claudia Stern, Schulleiterin an der Primarstufe Gotthelf

«Mich beelendet dieser Krieg in Europa! Immerhin können wir einen Beitrag zur Bewältigung der Flüchtlingskrise leisten: Seit dem 4. April haben wir eine Einstiegsgruppe. Zurzeit besuchen zehn ukrainische Mädchen und Buben unsere Schule, fünf Primarschülerinnen und -schüler und fünf Kindergartenkinder.

Innert kürzester Zeit haben wir eine ukrainische Deutschlehrerin für den DaZ-Unterricht gefunden – das war ein regelrechter Glücksfall. Mit interessiertem, beobachtendem Blick geht sie durch unsere Schule und saugt wie ein Schwamm auf, wie wir hier funktionieren. Die Kinder stünden hier, so sagt sie, im Zentrum, und die Lehr- und Fachpersonen holten sie individuell dort ab, wo sie in ihrer Entwicklung gerade seien. Angebote wie Psychomotorik oder Logopädie am Standort beeindrucken sie sehr. Sie vermittelt uns zudem immer wieder einen spannenden Aussenblick, der zum Denken anregt.

Die grösste Herausforderung war die Raumsituation. Die Einstiegsklasse sollte ein reguläres Zimmer bekommen und nicht einen der Kellerräume. So haben wir schliesslich das NMG-Zimmer (Natur, Mensch, Gesellschaft) aufgelöst beziehungsweise in den Keller verlagert. Zweimal pro Woche essen die Kinder der Tagesstruktur wegen Platzmangel im NMG-Raum – nun sind sie seit April im Keller, doch auch das erwies sich als unproblematisch: Alle zeigen Verständnis für die besondere Situation, die dieser Krieg hervorgerufen hat. Die Ressourcen für die ukrainische DaZ-Lehrerin hat uns die Volksschulleitung schnell und unkompliziert zur Verfügung gestellt: ‹Ihr könnt jemanden anstellen und wir bezahlen das›, hiess es einfach. Dieses rasche Vorgehen haben wir sehr geschätzt. Überhaupt ist die Unterstützung überall gross, das spüren wir ganz besonders auch im Kollegium.

Einige Kinder aus der Einstiegsgruppe besuchten nach kurzer Zeit bereits einen Teil des Unterrichts in der Klasse, der sie zugeteilt sind. Zum Beispiel fürs Turnen oder Werken. Und die Klassenlehrpersonen sind gemeinsam mit der DaZ-Lehrerin auch längst im Austausch mit den Müttern der zehn ukrainischen Kinder. Rund um die neue Einstiegsgruppe hat sich ganz schnell eine gewisse Alltagsroutine eingestellt. Nur an den Gedanken, dass in Europa Krieg herrscht, kann und will ich mich nicht gewöhnen.»

Aufgezeichnet von Valérie Rhein

«Nächstes Schuljahr feiern wir gleich zwei Jubiläen»

Anja Renold, Rektorin Gymnasium Kirschgarten

«Gegen Ende Schuljahr ist es bei uns an den Gymnasien immer etwas angespannt. Neben dem normalen Schulbetrieb gilt es die Maturprüfungen bis hin zur abschliessenden Maturfeier korrekt über die Bühne zu bringen. Zum Glück können wir endlich ohne Corona-Bedingungen planen. Dieses Jahr haben wir zur Prüfungsplanung erstmals ein Online-Planungstool verwendet. Da mussten wir beim ersten Mal zwar noch etwas Lehrgeld zahlen, doch langfristig wird sich das sicher auszahlen.

Angespannt sind die letzten Schulwochen auch deshalb, weil ich immer erst recht spät definitiv weiss, wie viele neue Schülerinnen und Schüler im August bei uns beginnen und wie viele eine Klasse repetieren werden. Es gilt flexibel zu bleiben, denn von dieser Zahl hängt ab, wie viele Klassen ich bilden kann und wie viele Lehrpersonen ich brauche. Die Flüchtlingswelle aus der Ukraine spielte in diesem Prozess bei uns momentan keine grosse Rolle. Bisher brachten nur vereinzelt Jugendliche die nötigen sprachlichen Voraussetzungen mit, um direkt in ein Gymnasium eintreten zu können.

Nächstes Schuljahr stehen bei uns am Gymnasium Kirschgarten gleich zwei Jubiläen an, zu denen die Vorbereitungen bereits laufen. Unsere Schule, die aus der Fusion von RG und MNG entstanden ist, kann nämlich ihren 25. Geburtstag feiern. In einem kleinen OK bereiten wir seit einiger Zeit ein Programm vor, mit dem wir jeweils am 25. eines Monats das Jubiläum mit einer Veranstaltung feiern möchten. Neben eher internen Feierlichkeiten wird es auch öffentliche Anlässe für ein breiteres Publikum geben. Nach aussen sichtbar werden soll das Jubiläum das ganze Jahr hindurch durch eine permanente Projektion auf eine der Aussenwände unserer Schulen. Vorgesehen ist, dort Arbeiten zu zeigen, die bei uns im BG-Unterricht entstanden sind. Im Moment bin ich gerade daran, beim Kanton die Bewilligung einzuholen, die es für so etwas braucht. 

Der Zufall will es, dass parallel dazu noch ein zweites Jubiläum gefeiert werden kann: Genau doppelt so lang wie das Gymnasium Kirschgarten gibt es nämlich unser Studienheim im jurassischen La Ferrière schon. Ganze Generationen, die bei uns die Matur gemacht haben, haben in den letzten 50 Jahren das Haus mindestens zwei Mal in ihrer Schulkarriere bei Projektwochen, Lagern und ähnlichem kennen gelernt. So etwas hat mittlerweile sonst kaum mehr eine Schule – auch wenn man natürlich sagen muss, dass das Haus nicht uns, sondern einer Stiftung gehört, die das Studienheim auch an Andere vermietet.»

 Aufgezeichnet von Peter Wittwer

«Die Schule darf den Anschluss nicht verpassen»

Daniel Morf, Schulleiter der Sekundarschule De Wette

«Tests in unterschiedlicher Form beschäftigen uns zurzeit hier am De Wette. Wir wurden für die PISA-Studie ausgewählt, bei der weltweit das Schulwissen geprüft wird. In der Schweiz beteiligen sich etwa 6'000 Schülerinnen und Schüler von 200 Schulen daran. An unserem Standort organisiere ich gerade alles, was nötig ist, damit im Mai alles rund läuft. Beispielsweise müssen die Computer und das System einwandfrei funktionieren. Weiter führen wir auch freiwillige Aufnahmeprüfungen durch. Sechstklässler, welche den Sprung in ihr gewünschtes Niveau nicht schaffen, können im Frühling eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Damit dieser Test rechtskräftig ist, muss ihn eine Sek-Klasse durchtesten – das machen unsere Schülerinnen und Schüler.

Auch die Digitalisierung schreitet weiter voran: Unsere Lehrpersonen haben das eduBS-Book erhalten. Wir wollen im Sommer fit sein, wenn die Schülerinnen und Schüler kommen. Ich bin überzeugt, dass sich die Rolle der Lehrperson verändern wird. Sie muss nicht mehr allwissend sein, sondern die Kinder begleiten und coachen. Den Kindern werden Tutorials zur Verfügung stehen, in denen der Satz des Pythagoras sehr wahrscheinlich besser erklärt wird, als wir es je können. In der Schule der Zukunft werden grundsätzliche Fragen auftauchen wie zum Beispiel: In welcher Form müssen die Kinder noch Rechtschreibung lernen? Schliesslich drücken wir bei unseren Geräten auf einen Knopf und alles wird korrigiert – oder in dreitausend Sprachen übersetzt. Wir sind mehr denn je eine lernende Organisation. Aber die Schule darf den Anschluss nicht verpassen. Man bedenke: Wir haben die Regel, dass das Handy nur in bestimmten Situationen und mit Erlaubnis der Lehrpersonen benutzt werden darf. Diese Geräte gehören aber zum heutigen Leben und zu unserer Gesellschaft einfach dazu, wir können das nicht ausblenden. Deshalb werden wir diese Regel auf eine vernünftige Art und Weise in unserer Schule immer wieder anpassen.»

Aufgezeichnet von Jacqueline Visentin

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