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Bei ihr laufen alle Fäden zusammen

06.02.2023
Im Bereich Volksschulen des Basler Erziehungsdepartementes läuft aktuell so viel wie schon lange nicht mehr. Mittendrin: Annina Balli. Sie ist seit zehn Jahren Leiterin des Stabs Volksschulen.
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Stabschefin Annina Balli ist gerne an der Leimenstrasse: «Seit dem ersten Tag fühle ich mich ausgesprochen wohl hier.» Foto: Grischa Schwank

Sie ist selten in ihrem Büro im zweiten Stock an der Leimenstrasse anzutreffen. Und wenn sie doch einmal im Büro ist, ist sie am Telefon oder an einer Besprechung. Annina Balli (46), Leiterin des Stabs Volksschulen im Erziehungsdepartement (ED) Basel-Stadt, ist viel unterwegs – an internen und externen Sitzungen oder sonstigen Terminen. Und an fast jeder Team-Sitzung der Abteilung Kommunikation heisst es mindestens einmal: «Frag doch Annina Balli. Sie weiss sicher Bescheid.»

Intensive Corona-Pandemie

Bei Balli laufen alle Fäden im Bereich Volksschulen zusammen. Exemplarisch gezeigt hat sich dies auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie, in der sie unter anderem Ansprechperson für die Schulleitungen war. «Zeitweise hatte ich täglich rund zwanzig Anfragen von Schulleitungen zu beantworten», sagt sie im Gespräch mit dem Basler Schulblatt. «Das war die intensivste Zeit, die ich in meinem Berufsleben bisher erlebt habe.» Es sei aber auch eine sehr spannende Zeit gewesen. «Die Zusammenarbeit mit den Schulleitungen war ausgezeichnet und hat sich dadurch intensiviert. Ich bin sowieso beeindruckt von der Arbeit, welche die Schulleitungen tagtäglich in einem äusserst anspruchsvollen Umfeld erbringen.»

Doch bleiben wir beim Thema Corona: Zusammen mit Matthias Hostettler, ihrem Stellvertreter, ist Balli auch verantwortlich für den Covid-19-Newsletter für die Volksschulen, der Anfang September 2020 erstmals erschienen ist und in dem die wichtigsten aktuellen Informationen zu diesem Thema gebündelt werden. Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie ist der Newsletter, der kurz nach dem Amtsantritt des aktuellen Volksschulleiters Urs Bucher eingeführt worden ist, in der Regel wöchentlich und teilweise sogar mehrmals in der Woche verschickt worden. «Das war ebenfalls eine intensive Tätigkeit», sagt Balli. Beim Thema Corona ist sie darüber hinaus auch zuständig für den Austausch mit den Expertinnen und Experten im federführenden Gesundheitsdepartement und, zusammen mit der Abteilung Recht, für die damit verbundenen rechtlichen Anpassungen sowie für die Kommunikation mit den Eltern der Schülerinnen und Schüler.

Viele Themen und Vorstösse

Und damit nicht genug: Kaum ist die Corona-Pandemie etwas abgeklungen, haben die Themenvielfalt im Bereich Volksschulen und die Anzahl der Vorstösse aus dem Grossen Rat spürbar zugenommen. Seit einiger Zeit läuft hier so viel wie schon lange nicht mehr. Balli erwähnt in erster Linie die integrative Schule und die von der Freiwilligen Schulsynode unterstützte Förderklassen-Initiative. In Basel-Stadt gehen heute alle Kinder, wenn immer möglich, gemeinsam zur Schule, was in Lehrerschaft und Politik allerdings zunehmend auch zu kritischen Stimmen führt. Im vergangenen Jahr hat das ED deshalb eigens eine breit abgestützte Projektgruppe unter der Leitung von Basil Eckert, Co-Leiter des Schulpsychologischen Dienstes, eingesetzt. Das Ziel: Ein neues Konzept zu erarbeiten, um das sonderpädagogische Angebot an den Volksschulen zu verbessern und damit die integrative Schule weiter zu stärken. Auch hier spielt Balli eine zentrale Rolle: Als Mitglied der Projektsteuerung ist sie zuständig für den gesamten Verfahrensablauf bei diesem komplexen Geschäft. Sie ist es auch, die den Bericht der Regierung an den Grossen Rat zu Handen von Volksschulleiter Bucher und Regierungsrat Conradin Cramer vorbereitet.

Die Politikvorbereitung ist ohnehin eine der wichtigsten Aufgaben von Balli und ihres fünfköpfigen Teams. Zusammen mit Hostettler bereitet sie für Bucher und Cramer die Antworten auf die aktuell zahlreichen parlamentarischen Vorstösse im Bereich Volksschulen vor. Zudem verfasst sie, in Zusammenarbeit mit der Abteilung Recht, die Entwürfe für die Ratschläge der Regierung an den Grossen Rat zu Handen von Bucher und Cramer. Darüber hinaus ist sie unter anderem auch zuständig für die Schulevaluationen, wo sie in Zusammenarbeit mit der PH FHNW die entsprechenden Konzepte erarbeitet, sowie für die Führungsunterstützung der Volksschulleitung, wo sie die alle zwei Wochen stattfindenden Volksschulleitungskonferenzen vor- und nachbereitet sowie die daraus resultierenden Aufträge an die zuständigen Stellen weiterleitet oder sie gleich selbst erledigt. «Ich habe sehr vielseitige Aufgaben», sagt sie. «Und das ist auch der Hauptgrund, weshalb es mir im ED immer noch so gut gefällt. Diese Generalisten-Arbeit an der Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung macht mir grosse Freude.»

Master in Verwaltungsrecht

Seit knapp zehn Jahren ist Balli nun schon als Stabschefin im Bereich Volkschulen tätig, und ihre Freude ist im Gespräch spürbar. Ins ED gekommen sei sie allerdings «eher durch Zufall», erzählt die gebürtige Bernerin, deren Bärndütsch unüberhörbar ist. Angefangen hatte sie 2008 als wissenschaftliche Volontärin im damaligen Ressort Schulen – und ist geblieben. Zuerst als wissenschaftliche Mitarbeiterin, ehe sie 2014 zur Leiterin des Stabs Volksschulen befördert worden ist. Balli hat selbst einen pädagogischen Hintergrund: Sie absolvierte das frühere Lehrerinnen- und Lehrerseminar Lebermatt in Bern, den Vorläufer der PH Bern. Danach arbeitete sie zwei Jahre als stellvertretende Primarlehrerin, ebenfalls im Kanton Bern, und studierte Germanistik und Pädagogik an der Universität Bern. 2013 schloss sie an der Universität Basel zudem einen Master in Verwaltungsrecht ab, um die vielen juristischen Fragestellungen, die sich im Zusammenhang mit Schulpflichtverletzungen, Verträgen oder Privatschul- und Homeschooling-Bewilligungen stellen und die sie zusammen mit der Abteilung Recht zu bearbeiten hat, besser verstehen zu können. Dadurch fühle sie sich bei der Entscheidungsfindung in ihrem Arbeitsalltag sicherer, sagte sie damals in einem Interview im «BS intern», dem Personalmagazin des Kantons Basel-Stadt.

Drei Volksschulleiter erlebt

Während ihrer Zeit im ED hat Balli zahlreiche Reformen und Umstrukturierungen im Bildungsbereich direkt miterlebt und nicht wenige davon auch selbst mitgestaltet. Und unterdessen mit bereits drei verschiedenen Volksschulleitern zusammengearbeitet – zuerst mit Pierre Felder, dann mit Dieter Baur und seit zweieinhalb Jahren nun mit Urs Bucher. Mit jedem Wechsel in der Bereichsleitung wurden ihr Wissen und ihre Erfahrung wichtiger. «Meine Arbeit hat sich seither stark verändert», sagt sie. «Unter Urs Bucher habe ich, wie schon unter Dieter Baur, mehr Verantwortung als früher. Das macht die Arbeit natürlich viel interessanter.» Mit Leitungsreform, Schulharmonisierung und Schulraumoffensive sei sie «in einer Zeit der Aufbruchsstimmung» im ED gestartet, sagt sie. «Das war eine total andere Zeit als heute, wo wir uns eher in einer Konsolidierungsphase befinden.»

Trotz oder gerade wegen dieser veränderten Ausgangslage im Bereich Volksschulen findet Balli ihre Tätigkeit nach wie vor «sehr spannend». «Es stellen sich immer noch viele neue und interessante Herausforderungen», sagt sie. Und was macht sie in ihrer Freizeit? Sie liest gerne Belletristik (einer ihrer Lieblingsschriftsteller ist Max Frisch) und malt Schriftbilder. Balli lebt sehr gerne in Basel, wie sie im Gespräch sagt. Ihr gefällt die Offenheit der Region. «Und diese offene Atmosphäre ist auch im ED zu spüren», sagt sie. «Seit dem ersten Tag fühle ich mich deshalb ausgesprochen wohl hier.» Und es dürften wohl noch einige weitere Tage im ED dazukommen. Valentin Kressler

«Zentrale Drehscheibe»

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Urs Bucher.

«Als Leiterin der Stabsstelle des Bereichs Volksschulen wirkt Annina Balli als zentrale Drehscheibe für die vielfältigen Themen, die an die Volksschulleitung herangetragen werden. Sie unterstützt mich in allen wichtigen Belangen und hält mir oft den Rücken frei. Auf Annina Balli kann ich mich hundertprozentig verlassen; nicht nur dank der freundlichen, hilfsbereiten und vorausschauenden Art sowie ihrer professionellen Handlungsweise wird sie von allen, die mit ihr zu tun haben, ausserordentlich geschätzt. Sie kann Wesentliches von Unwesentlichem trennen, komplexe Zusammenhänge schnell erfassen und zielsicher die wichtigen Punkte herausschälen und diese in einer verständlichen Sprache sowohl schriftlich als auch mündlich zum Ausdruck bringen. Das wiederum ist eine unverzichtbare Qualität für die Bearbeitung der politischen Vorstösse sowie beim Protokollieren der Sitzungen unserer Geschäftsleitung. Annina Balli und das von ihr mit Feingefühl geführte Team des Stabs sind für mich eine äusserst wertvolle Stütze.»

Urs Bucher, Leiter Volksschulen Basel-Stadt

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