Sie sind hier: Startseite / Publikationen / Basler Schulblatt / Artikel / 10‘000 Lego-Teile – eine Stadt

Artikelaktionen

10‘000 Lego-Teile – eine Stadt

04.05.2021
Lernen und Spass haben mit Lego: Das Projekt «Wir bauen unsere Stadt» des Standorts Isaak Iselin begeistert Kindergarten- und Primarschulklassen. Zusammen mit der Erlebnispädagogin Salome Oppliger hat Schulleiter Pascal Steiger ein Lego-Projekt entwickelt, das auch für andere Standorte buchbar ist. Geplant ist zudem ein Lego-Zimmer im Schulhaus.
Bild Legende:
Mit ganz viel Material und vielen Inputs der Projektleiterin Salome Oppliger entsteht eine richtig grosse Stadt.

Einen Baum bauen aus Lego? Gar nicht so einfach. Der Stamm geht ja noch, aber mit den Ästen wird’s schwierig. Und erst die Blätter … Nach einem Input der früheren Primarlehrerin und heutigen Erlebnispädagogin Salome Oppliger schaffen das aber alle Kinder im Kindergarten Mittlere Strasse. Nachdem aus den extra flachen Wannen sämtliche auch noch so kleine Teilchen aller möglichen Brauntöne herausgepickt und in separaten Kesselchen sortiert sind, entscheidet sich jedes Kind für einen Braunton, erhält eine grüne oder braune Lego-Platte ­ und los geht’s! Klingt simpel, ist aber für viele eine Herausforderung.

Förderung vieler Kompetenzen
Farbtöne differenzieren, Formen erkennen, Entscheide treffen, winzige Lego-Steinchen auf dünne Lego-Stäbchen drücken, ohne dass die «Äste» wieder abbrechen, das erfordert viele Kompetenzen in Vorstellungsvermögen, räumlichem Denken, Feinmotorik, Ausdauer und nicht zuletzt Sozialverhalten, denn die Kinder helfen einander, teilen das vorhandene Material, und alle entstandenen Bäume werden ja später in der gemeinsam bereits gebauten Stadt «gepflanzt».

Schon die vierte Woche leitet Salome Oppliger in diesem Doppelkindergarten das Projekt «Wir bauen unsere Stadt», immer wieder mit neuen Inputs. Viele Meter lang ist die entstandene Stadt, mit Häusern aller Art. Diese haben keine Dächer, sondern sind oben offen, sodass die verschiedenen Zimmer mit Figuren bespielbar sind. Denn für Kindergartenkinder ist das soziale Spielen mindestens so wichtig wie das Konstruieren. In der Stadt gibt es auch einen Spielplatz, Brücken, Treppen, Gärten, ein Baumhaus, einen Zoo und sogar eine Zugstrecke.

Klassenprojekt statt Freizeitkurse
Die Projektidee entstand aus der Not, wie Schulleiter Pascal Steiger erklärt. Die Primarstufe Isaak Iselin bot bis anhin jeweils zwischen Herbstferien und Weihnachten im Bereich der Gesundheitsförderung Workshops für Kinder in unterschiedlichen Bereichen an: Handball, Badminton, Parkour, Figurentheater etc. In den Kursen können die Kinder in ihrer Freizeit vorhandene Kompetenzen weiterentwickeln oder neue erwerben und so vielleicht ein Hobby entdecken. «Aufgrund der Covid-19-Situation haben wir uns in diesem Schuljahr entschieden, keine stufenübergreifenden und klassendurchmischten Kurse anzubieten, sondern einen Kurs zu lancieren, den man direkt für seine Klasse buchen kann», so Steiger. Die Mitglieder der Gesunden Schule entschieden sich für einen Lego-Workshop, der für jeweils zwei Wochen in einzelnen Kindergarten- oder Primarschulklassen umgesetzt werden kann und der Kinder in ganz vielen Bereichen fördert. Bei der Konzeption des Projekts wurden explizit die im Lehrplan 21 beschriebenen Kompetenzen miteinbezogen. 

Bild Legende:
Dank flachen Wannen finden die Kinder die Teile, die sie brauchen, rasch.

Sorgfältiger Aufbau
Weil der vom Schulblatt besuchte Kindergarten an der Mittleren Strasse ein Doppelkindergarten ist, wurde das Projekt auf vier Wochen ausgedehnt. Erstaunlicherweise zeigen sich auch in der vierten Woche kaum Ermüdungserscheinungen. Schritt für Schritt haben die Kinder zunächst die Teile kennengelernt, anhand ganz einfacher Baupläne kleine Objekte konstruiert, in Gesprächsrunden ihre Stadt gedanklich entworfen … und  täglich an ihrer Stadt weitergebaut. Dabei entstanden Nachbarschaften, man besuchte sich gegenseitig, musste sich absprechen, wo der Garten aufhört und ob es okay ist, wenn da der Zug vorbeifährt. Die Stimmung sei stets äusserst kooperativ und erstaunlich friedlich gewesen, fasst Projektleiterin Salome Oppliger die ersten drei Wochen zusammen. Sie selber ist jeweils während sechs Lektionen pro Woche in der Klasse und leitet in geführten Sequenzen die Kinder an respektive betreut die Gruppenarbeiten. Dabei ist sie in stetem Austausch mit den Klassenlehrpersonen, die an den übrigen Tagen am Projekt weiterarbeiten.

Richtig aus dem Vollen schöpfen
Eine solch riesige Stadt kann natürlich nur entstehen, wenn immens viele Bauteile zur Verfügung stehen. Rund 10‘000 sind es hier. Für die Kinder ist es die Gelegenheit, einmal wirklich gross zu denken. Noch grösser denken in der Regel ältere Kinder. In den Primarklassen, die Oppliger bisher mit dem Projekt besucht hat, wurde das Thema Stadt weniger spielerisch, dafür sachlicher interpretiert. Geplant wurden Strassen, Parkanlagen, Hochhäuser … und immer kam der Eiffelturm ins Spiel. Die Baupläne, anhand derer Salome Oppliger ins Thema einführt, sind natürlich in den oberen Primarschulklassen weit anspruchsvoller. Weit grösser sind dort allerdings die Unterschiede der Schülerinnen und Schüler punkto konstruktive Fertigkeiten. Während die einen die kompliziertesten Baupläne mit links umsetzen, zeigt sich bei anderen, dass sie in Sachen Konstruieren buchstäblich keinen Plan haben.

Lego-Zimmer im Schulhaus
Das Thema «Stadt» eignet sich hervorragend für ein solches Projekt. Denn zur Stadt im weitesten Sinn haben alle Kinder einen Bezug. Egal, wie alt sie sind. Und 10‘000 Lego-Teile sowie viele Helferinnen und Helfer setzen auch den kühnsten Ideen kaum Grenzen. Das Riesenpotenzial, das solche Mengen an Lego-Teilen bietet, will der Standort Isaak Iselin aber noch weiter nutzen: Geplant ist ein Lego-Zimmer im Schulhaus, das die Kinder auch in ihrer Freizeit nutzen können, zum Beispiel an Mittwoch- und Freitagnachmittagen oder auch samstags. So kommt das Material auch dann zum Einsatz, wenn Salome Oppliger nicht mit dem Projekt in Klassen unterwegs ist. Und selbstverständlich darf im Lego-Zimmer dann auch ein Bauernhof gebaut werden. Oder ein Ozeandampfer. Oder eine Marslandestation. 

Yvonne Reck Schöni (Text und Bilder)

Das Projekt kann man buchen

Bild Legende:
Filigrane Objekte wie ein Baum stellen hohe Ansprüche an die Feinmotorik der Kinder.

Erinnern Sie sich an Ihre eigenen Lego-Erfahrungen? Als IMMER das gesuchte Fenster fehlte, NIE genug der gerade benötigten Legosteine da waren und überhaupt das Bauen eines richtig grossen Hauses EWIG dauerte? Mit 10‘000 Lego-Teilen und vielen Co-Workern in der Klasse sind diese Probleme auf einen Schlag gelöst. Das Projekt «Wir bauen unsere  Stadt» des Primarstandorts Isaak Iselin, entwickelt von Schulleiter Pascal Steiger und der Erlebnispädagogin Salome Oppliger (früher selber Primarlehrerin am Standort), ist so erfolgreich, dass sich auch andere Schulen dafür interessieren.

Momentan gastiert es in einer 1. Klasse im Petersschulhaus. Die Schulen bezahlen lediglich die zwölf Lektionen, während deren die Projektleiterin anwesend ist. Steiger und Oppliger sind daran, das Projekt weiterzuentwickeln und thematisch so anzupassen, dass es auch für 4. bis 6. Primarschulklassen geeignet ist. Kurzfilme oder das Erstellen einer Foto-Love-Story sind mögliche Themeninhalte. Pascal Steiger gibt interessierten Lehrpersonen oder Schulleitungen gerne Auskünfte respektive nimmt Buchungen entgegen: Pascal.Steiger@bs.ch.

 

abgelegt unter: