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Ein Jahr unterwegs mit Konferenzvorständen / Teil 2

30.11.2022
Das Basler Schulblatt begleitet drei erfahrene Mitglieder von Konferenzvorständen ein Jahr lang – und lässt sie über ihre vielfältigen Aufgaben berichten. Ein Thema ist bei ihnen aktuell vor allem die neue Verordnung betreffend die Pflichtlektionenzahl.
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«Es war ein Hammer für alle»

Christina Keller, Konferenzvorstand Primarstufe Hirzbrunnen

«Uns beschäftigt gerade ein Thema, das von ganz oben kommt: die Konsultation zu den Pflichtlektionen. Es soll Änderungen geben, damit die Einzellektionen-Konti der Lehrpersonen abgebaut werden können. Für diese schlummernden Guthaben muss der Kanton jedes Jahr einen grossen Betrag budgetieren. Diese geplanten Änderungen kommen bei uns Lehrpersonen gar nicht gut an. 

Aber von vorne: Wir vom Konferenzvorstand wurden vorzeitig an einer KSBS-/FSS-Sitzung informiert und haben den Auftrag erhalten, das Vorhaben dem Kollegium vorzustellen. Es war ein ziemlicher Hammer für die Teilnehmenden. Es gibt Ängste, dass die Schulleitung freier über die Stundenzuteilung verfügen kann und wird. Thema ist auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, denn diese wäre so nicht mehr gleich gewährleistet wie bis anhin. Laut Vorschlag sollen in Zukunft 40 Einzellektionen direkt in eine Jahreslektion umgewandelt werden. An unserem Standort wurden die Einzellektionen unter anderem für bezahlte Urlaube eingesetzt, welche unserer psychischen Gesundheit zu Gute kommen. Zukünftig müssten die Jahreslektionen ins Pensum eingebaut werden. So würden die Konti zwar mit der Zeit abnehmen, es gestaltet aber die Pensenplanung wieder komplizierter. Uns erschliesst sich der Grund dieser vorgeschlagenen Änderung nicht.

Für mich ist bei dieser Konsultation wichtig, dass wir als Lehrpersonen solidarisch eine gemeinsame Haltung einnehmen und ein Zeichen setzen: Nein, diese Änderungen möchten wir nicht. Deshalb sollten auch alle Lehrpersonen an der Umfrage teilnehmen! Ich bin mir bewusst, dass es eine Lösung geben muss, wenn der Kanton aufgrund der vollen ELK jedes Jahr so viel Geld budgetieren muss. Aber es muss evaluiert werden, wie es überhaupt so weit kommen konnte. In diese Richtung muss etwas unternommen werden. Ich frage mich: Wenn alles abgebaut werden und in die Pensen einfliessen soll, wer vertritt dann die Lehrpersonen, wer übernimmt die Lektionen? Vor allem in Anbetracht des schweizweiten Lehrpersonenmangels. Das beschäftigt uns sehr.»

Aufgezeichnet von Jacqueline Visentin

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 «Zu dritt sind wir an unsere Grenzen gestossen»

Veronika Mickisch, Konferenzvorstand Gymnasium Kirschgarten

«Für uns hat das neue Schuljahr gut angefangen: Mit Daniel Wirz, der am Gymnasium Kirschgarten Mathematik und Physik unterrichtet, haben wir ein neues, viertes Mitglied im Konferenzvorstand. Das ist toll, denn zu dritt sind wir hin und wieder schon an unsere Grenzen gestossen – vor allem wenn eine Person wegen Krankheit oder Ferien ausgefallen ist. Toll ist auch, dass mit Daniel Wirz nun eine weitere Fachschaft im Konferenzvorstand vertreten ist. Anfang Schuljahr hatten wir zudem gleich zwei positive Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Thema Partizipation, das mir persönlich ja besonders wichtig ist: Eine Sonderkonferenz (ohne Schulleitung) zur Digitalisierung, die wir kurzfristig angesetzt haben, ist auf erfreulich grosse Resonanz gestossen. Und wir haben dafür positives Feedback erhalten. Bezüglich der Präsentation der Maturaarbeiten, die im letzten Schuljahr zum ersten Mal an einem Samstag stattgefunden hat, konnten wir zudem die Anhörung des Kollegiums nachholen. Es geht dabei ums Prinzip: Es ist wichtig, dass die Schulleitung bei solchen Fragen ein Stimmungsbild der Kolleginnen und Kollegen erhält. Wir planen nun, eine Auslegeordnung zu machen, um zu sehen, welche zusätzlichen, verpflichtenden Engagements es sonst noch alles gibt.

Seit September beschäftigt mich die neue Verordnung betreffend die Pflichtlektionenzahl in hohem Masse. Diese sieht vor, dass die Schulleitungen bei der Lektionenzuteilung der Lehrpersonen künftig mehr Handlungsspielraum erhalten, um die grossen Lektionenguthaben der Lehrpersonen abzubauen. Da die Vernehmlassungsfrist so knapp bemessen ist, müssen die Konferenzvorstände kurzfristig nach Möglichkeiten suchen, die Kollegien zu informieren und eine Austauschplattform zu bieten. Wir haben das mit einer digitalen Diskussionsrunde probiert, was leider nicht so gut geklappt hat. Ich verstehe natürlich, dass es mit den vielen Überstunden der Lehrpersonen so nicht weitergehen kann. Es gibt aber auch Einwände: Die Schulleitungen verfügen hier schon jetzt über Spielraum, den sie bisher aber offenbar zu wenig ausgenutzt haben. Heute gibt es zudem eher zu wenige als zu viele Lehrpersonen – was den Abbau von Überstunden nicht so einfach macht. Es darf jedenfalls nicht sein, dass der zusätzliche Spielraum zu Ungunsten der Lehrpersonen ausgelegt wird. Den Zeitdruck habe ich als sehr unangenehm empfunden. Ich möchte meine Energie viel lieber in die Schulentwicklung investieren und nachhaltig arbeiten.»

Aufgezeichnet von Valentin Kressler

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«Bei uns wird der Austausch gross geschrieben»

Judith Röthlin, Konferenzvorstand Sekundarschule St. Alban

«Oft sind es viele kleine Sachen, die aus dem Kollegium an uns herangetragen werden und die unseren Alltag als Mitglieder des Konferenzvorstandes prägen. In stressigen Situationen wissen Lehrpersonen, dass sie sich an Anna Fowler und mich wenden können. Mit dem Mehr an Wissen, das wir von unserer Arbeit auf kantonaler Ebene her vielleicht mitbringen, helfen wir gerne. Wenn ein Problem mehrfach angesprochen wird, ergibt sich daraus ein Stimmungsbild, das wir an die Schulleitung oder in unsere monatlichen KSBS-Sitzungen weitertragen können. Zwischendurch läuft es auch in die umgekehrte Richtung, indem wir unsere Kolleginnen und Kollegen über Inhalte aus den KSBS-Sitzungen informieren und gegebenenfalls darauf vorbereiten, dass eine Konsultation auf sie zukommt. Oder wenn für eine kantonale Arbeitsgruppe eine Lehrperson gesucht wird, sprechen wir Personen an, ob sie mitmachen möchten.

An unserer Schule wird der Austausch untereinander sehr gross geschrieben. Bei Themen wie etwa der Ordnung auf dem Pausenplatz oder dem Umgang mit Handys im Unterricht ist es zum Beispiel wichtig, dass man sich untereinander auf klare Regeln einigt, die alle einheitlich umsetzen. Weil wir auf dieses Schuljahr hin nochmals eine Klasse mehr bekommen haben, haben wir etwa gemerkt, dass es auf dem Pausenhof nicht nur im übertragenen Sinn rote Linien braucht. Im Schulhaus kann es manchmal lärmig werden, da gern mal mit offenen Türen unterrichtet wird und Gruppenarbeiten auf dem Gang stattfinden. Auch hier müssen wir gemeinsam Lösungen finden, damit man sich nicht gegenseitig stört.

Solche alltäglichen Fragen können gut in den Intros diskutiert werden, die wir alle 14 Tage zu Beginn der Präsenzzeit organisieren. An dieser Versammlung kann man sich im Kollegium über Themen wie die Frage austauschen, ob die Smartwatches am Morgen genauso wie die Handys eingezogen werden sollen. Die Intros sind allerdings nicht nur dazu da, um Schwierigkeiten zu besprechen. Immer wieder gibt es auch Positives, das bei dieser Gelegenheit geteilt werden kann. So haben einige Lehrpersonen dazu eingeladen, sich zusammen mit den Klassen ihr Theaterprojekt anzuschauen. Oder zur Sensibilisierung auf die spezielle Situation in den IK-Klassen hat eine Arbeitsgruppe den Film «Peanut Butter Falcon» vorgestellt, den man in den Klassen schauen und besprechen soll.»

Aufgezeichnet von Peter Wittwer

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