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Die Auflösung!

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Für Claudia Carius ist der Raum ein «wahrhaftiger Begegnungsort».

Balthasar vermutet, dass eine Frau in diesem Zimmer das Fach Natur, Mensch und Gesellschaft unterrichtet. Mit Claudia Carius ist tatsächlich eine Lehrerin in diesem Zimmer tätig. Sie arbeitet als Klassenlehrerin und ist zuständig für den Fremdsprachenunterricht an der Primarschule Rittergasse.

Der Ausblick aus dem Schulzimmer von Claudia Carius ist atemberaubend. Sie blickt direkt auf das farbige Dach des Münsters, und wenn die Fenster geöffnet sind, hört sie sogar das Rauschen des Rheins, Hochzeitsgebimmel oder das quirlige Treiben der Stadt. Das Schulhaus erstrahlt nach der Sanierung in neuem Glanz.

Der Bezug der Primarschule Rittergasse ging während des Lockdowns über die Bühne. Am Anfang fehlten vor allem die Kinder. Und die Umstellung auf Fernunterricht musste quasi direkt aus den Kartons auf die Beine gestellt werden: eine herausfordernde Situation. Unterdessen sind die Schülerinnen und Schüler angekommen und haben das Schulhaus für sich entdeckt und in Beschlag genommen.

Nur die Wandtafel fehlt

Im Schulzimmer von Claudia Carius gehen täglich Kinder aus allen Stufen und Klassen ein und aus und dürfen in die Welt der Sprachen eintauchen. Im Regal fallen sofort die feinsäuberlich einsortierten gelben Wörterbücher auf. An den Wänden hängen Wörter auf Französisch und Englisch. Auch die edubs-Books stehen in einer Kiste griffbereit. «Es ist aber nicht selbstverständlich, dass es dieses Fremdsprachenzimmer gibt. Ich musste recht kämpfen für diesen Raum» .

Nach dem Umzug hätte sie dieses Privileg fast verloren. Lange Zeit blieb ungewiss, wo sie sich installieren kann. «Es ist nur schwer nachvollziehbar, warum es für fast alle Fächer einen spezifischen Fachraum gibt, ausser für Fremdsprachen.» Durch die Verwendung von Computern oder Tablets sowie Differenzierungsmaterial und Wörterbücher braucht es für einen qualitativ hochwertigen Unterricht viel Material. «Zum Glück habe ich weiterhin alles an einem Ort und die Kinder kommen zu mir. Nur eine festinstallierte Wandtafel vermisse ich noch.»

Körpersprache und Pantomime

«Dieser Raum ist ein wahrhaftiger Begegnungsort», sagt Claudia Carius. Hier lernen die Kinder nicht nur Sprachen, sondern auch neue Mitschülerinnen und Mitschüler kennen. Der Fremdsprachenunterricht findet an dieser Schule altersdurchmischt statt: «Das ist zwar teilweise sehr herausfordernd, bringt aber auch viele Vorteile mit sich».  So können die Schülerinnen und Schüler je nach Bedürfnissen und Niveau binnendifferenziert gefördert werden. Auch die Art und Weise wie hier Französisch und Englisch vermittelt wird, ist speziell. «Wir wechseln zwischen den Lehrmitteln hin und her und arbeiten nicht linear vorwärts im Buch.» Die Kinder sollen dadurch möglichst spielerisch und abwechslungsreich die neuen Sprachen erlernen. Ob mit New World oder Passepartout – das spielt keine Rolle. Dank eines aussergewöhnlich grossen Anteils von Native Speakern ist Immersionsunterricht im Sprachbad auf hohem Niveau möglich.

Zu Beginn ihrer Schulkarriere hat Claudia Carius an der Sekundarschule unterrichtet. Vor zehn Jahren, als Französischunterricht ab der dritten Klasse in der Primarschule eingeführt wurde, hat sie auf die Primarstufe gewechselt und hier eine neue Herausforderung gefunden. Die Art und Weise des Vermittelns steht auf dieser Altersstufe noch klar im Vordergrund. Auch hat sie im engen Ideenaustausch und beim gemeinsamen Vorbereiten im Kollegium ein neues Miteinander entdeckt. Nun ist zwar Corona vorbei, doch die nächste Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten. Das erste Flüchtlingskind aus der Ukraine ist in ihrer Klasse angekommen. Körpersprache, Pantomime, Füsse und Hände sind jetzt angesagt. In diesem Zimmer  können sich die Kinder wunderbar auch nonverbal austauschen.

Text und Foto: Grischa Schwank