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Interview zu den Leistungschecks

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«Die Checks sind für mich kein emotionales Thema»

Conradin Cramer begrüsst den Verhandlungsauftrag der KSBS-Mitglieder

Interview: Valérie Rhein und Peter Wittwer

Eine Mehrheit der KSBS-Mitglieder plädiert für einen Dialog mit dem ED: Die an der letzten Gesamtkonferenz in einer Resolution geforderte Abschaffung der vierkantonalen Leistungschecks soll zunächst gemeinsam diskutiert werden. Departementsvorsteher Conradin Cramer ist froh über dieses Umfrageergebnis. Er ist offen für Änderungsvorschläge, damit der Nutzen der Checks in einem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand steht. Einen Ausstieg vor dem Vorliegen der Evaluationsergebnisse erachtet er hingegen nicht als wünschenswert.

Basler Schulblatt: Gegenüber den vierkantonalen Checks in Primar- und Sekundarschule regt sich Widerstand. Wie erleben Sie die Stimmung unter den Lehr- und Fachpersonen der Basler Schulen?
Conradin Cramer: Im Gespräch mit Lehr- und Fachpersonen begegnet mir immer wieder Kritik an den Checks. Diese Gespräche sind für mich sehr wertvoll, weil Kritik hier differenzierter zum Ausdruck gebracht werden kann als in einer Resolution. Lehrpersonen regen beispielsweise aus ihrer Schulpraxis heraus zu Verbesserungen an: einfachere Abläufe etwa oder eine stabilere Infrastruktur.

Welche Haltung gegenüber den Leistungstests beobachten Sie in den Partnerkantonen Aargau, Basel-Landschaft und Solothurn?
Die Ablehnung der Checks scheint mir an den Basler Schulen ausgeprägter zu sein als in den anderen Bildungsraumkantonen. Meine Kollegen im regierungsrätlichen Ausschuss sind über die an der Gesamtkonferenz 2017 verabschiedete Resolution informiert. Noch wissen wir nicht, wie sich die Checks in der Praxis bewähren. Entscheidend scheint mir jedoch, dass der nicht unerhebliche Aufwand zur Durchführung der Checks in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen steht.

Die Lehr- und Fachpersonen stellen zum einen den pädagogischen Nutzen der Checks in Frage und kritisieren zum anderen den grossen Aufwand. Wie begegnen Sie dieser Kritik?
Die Checks sind von Pädagogen entwickelt worden. Wenn Lehr- und Fachpersonen die Checks im Alltag jedoch nicht oder kaum als ein Hilfsmittel sehen, müssen wir uns dieser Diskussion stellen. Denn die Checks müssen sich bewähren. Allerdings sind sie auf acht Jahre angelegt – von der 3. Klasse der Primarschule bis zur 3. Klasse der Sekundarschule – und werden nach dem ersten Durchlauf evaluiert. Ich plädiere dafür, die Evaluation abzuwarten und erst danach aufgrund der Ergebnisse einen Entscheid zu treffen, wie mit den Checks weiter verfahren werden soll.

Welchen inhaltlichen und zeitlichen Spielraum haben die vier Kantone, um bei den Checks Basel-Stadt Anpassungen vorzunehmen?
Zunächst einmal gilt es klar festzuhalten, dass alle vier Kantone die Einführung der Checks gewollt und politisch beschlossen haben. Es macht wenig Sinn und wäre unfair, wenn nun mitten in der noch laufenden Einführungsphase ein Kanton sagt: Da machen wir ab sofort nicht mehr mit. Wie ich in meiner Antwort an die KSBS geschrieben habe, braucht es mindestens noch zwei bis drei Jahre, bis wirklich beurteilt werden kann, ob die Checks zu den erwarteten Verbesserungen im Unterricht beitragen und ob sie auch bei den Schülerinnen und Schülern, Eltern und Abnehmern auf Akzeptanz stossen.

Konkreter gefragt: Steht für Sie eine umgehende Umsetzung der GeKo-Resolution, die einen gänzlichen Verzicht auf die Teilnahme an den vierkantonalen Checks fordert, also nicht zur Diskussion?
Die vierkantonalen Checks erfolgen in Zusammenarbeit mit den Kantonen des Bildungsraums Nordwestschweiz. Diese Partnerschaft gebietet es, das Vorgehen miteinander abzusprechen. Den Gegnern der Checks steht natürlich jederzeit der politische Weg offen. So kann etwa durch die Einreichung einer Motion im Kantonsparlament der Regierung ein Auftrag erteilt werden. Sollte sich dafür eine Mehrheit finden, setze ich diesen Auftrag selbstverständlich um. Die Checks sind für mich kein emotionales Thema, sondern ein Instrument, über dessen Tauglichkeit sich diskutieren lässt. Das ist anders als bei einem Grundprinzip wie etwa der Integrativen Schule, an dem ich festhalten will.

In einem Brief an die KSBS haben Sie im August das weitere Vorgehen skizziert, nachdem an der GeKo in einer Resolution die Abschaffung der Checks gefordert worden war. In einer KSBS-Befragung der Mitglieder zum weiteren Vorgehen votierte nun eine Mehrheit der Lehr- und Fachpersonen für den Verhandlungsweg mit dem ED. Wie beurteilen Sie dieses Ergebnis?
Ich bin froh, dass sich die KSBS-Mitglieder so klar für den Dialog ausgesprochen haben. Das ermöglicht allen involvierten Akteuren, konkrete Kritikpunkte anzubringen und zu begründen.

Im Oktober wurden die Ergebnisse zum jüngsten Check S2 veröffentlicht, an dem auch Schülerinnen und Schüler aus Basel-Stadt teilgenommen haben. Wie schätzen Sie die Resultate aus basel-städtischer Sicht ein?
Die Ergebnisse dürfen wir nicht nur in absoluten Zahlen betrachten, sondern wir müssen die unterschiedlichen kantonalen Gegebenheiten mitberücksichtigen. Im Vergleich zu den drei anderen Kantonen ist in Basel-Stadt die Zahl der Schülerinnen und Schüler, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, sehr hoch. Ich finde es wichtig zu würdigen, dass unsere Schulen ein Top-Niveau haben und im Kantonsvergleich gut abschneiden. Das übersehen wir manchmal, wenn die basel-städtischen Schulen – ohne Berücksichtigung der unterschiedlichen Rahmenbedingungen – schlechtgeredet werden.

November 2017

KSBS-Umfrageergebnisse


Vierkantonale Auswertung Check S2