Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2003/2004
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Neue-Medien-Kompetenz


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REALISIERUNG
5.3  Massnahmen

In der Studie „Informationsgesellschaft Schweiz“ ist das Bundesamt für Statistik (BfS) der Frage nachgegangen, was Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in der Bildung für eine Rolle spielen können und sollen:

„Das Interesse an der Computernutzung ist bei den Schülerinnen und Schülern in grossem Masse vorhanden. Dies zeigt sich darin, dass allgemeine Computerkenntnisse oft in der Freizeit erlernt werden. In der Schule geht es nun darum, Anwendungen und Ressourcen aufzuzeigen, auf welche sie nicht selbstständig stossen. Um die Schülerinnen und Schüler während dieses „learning by doing“ begleiten zu können, ist ein in den Neuen Medien gut ausgebildeter Lehrkörper eminent wichtig.“ [3]

„Es sind jedoch noch grosse Herausforderungen zu bewältigen. Der öffentliche wie der private Sektor brauchen in den verschiedensten Positionen Mitarbeiter mit digitalen Kompetenzen. Die Vermittlung der Fertigkeiten, die am Arbeitsplatz benötigt werden, ist ein wesentlicher Bestandteil der modernen allgemeinen und beruflichen Bildung. Traditionelle Unterrichtsformen im Klassenzimmer wurden durch neue pädagogische Ansätze und den schnellen Einzug der Computertechnik ergänzt.“[4]

„Die Lehrkräfte dagegen sind nicht mehr die wichtigsten Wissensquellen, sie werden zunehmend zu Lotsen und Mentoren, die den Lernenden helfen, sich in den gewaltigen Datenmengen zurechtzufinden, die durch die IKT und das Internet zugänglich werden.“[5]

Im Mittelpunkt der Neuen-Medien-Kompetenz sind die entdeckenden, kommunizierenden und zugleich produzierenden Lernenden. Dieses Bild erfordert ein Umdenken für eine Einbindung der Neuen Medien in althergebrachte Unterrichtskonzepte. Die Einführung der Neuen Medien sollte als öffnende Ergänzung zum sogenannten Frontalunterricht verstanden werden. Der Einsatz spezieller Lernprogramme ist in diesem Sinne quasi eine technische Fortentwicklung traditioneller Lernmittel und führt nicht zwangsläufig zu veränderten Lernformen. Computer können neuartige Formen des Lernens fördern, zum Beispiel durch projektorientierte Ansätze.

Das Potenzial liegt in den vielfältigen Anwendungen und zeichnet sich durch die Möglichkeiten zur Interaktivität aus. Der Einsatz der Neuen Medien sollte einen Raum schaffen, der den Lernenden eigenständig-kreatives Handeln und Lernen ermöglicht. Um die Möglichkeiten für das Lernen mit den Neuen Medien auszuschöpfen, sind eine Änderung der Organisation des praktischen Schulunterrichts und eine Ausweitung der Lehrpersonrolle erforderlich.

Infrastruktur

Mit Blick auf die Anforderungen der Informations- und Kommunikationstechnologien muss die Professionalisierung des Schulwesens vorangetrieben werden. Es macht keinen Sinn, wenn eine Lehrperson im Nebenamt Systemadministrator für das schuleigene Computer-Netz spielt und eine halbwegs funktionierende IT-Lösung auf die Beine stellt. Diese Aufgaben sind einem Profi zu überlassen, verursachen dann aber auch Kosten.

Lehrmittel / Lernmedien

Auf dem Lehrmittelmarkt ist bereits ein beträchtliches Angebot an Lehrmitteln und Lernmedien entstanden. Hier eine kurze Übersicht:

  • Lernprogramme Ein Nutzer kann mit vorgegebener Steuerung durch das Programm zu einem bestimmten Themenbereich neue Inhalte erarbeiten, z.B. zur Prozentrechnung, zur Ernährung oder zum Pflanzenschutz.
  • Übungsprogramme Mit deren Hilfe können bereits erarbeitete Lerninhalte in individueller Weise – zum Teil mit spielerischen Elementen – geübt, gefestigt oder automatisiert werden, z.B. Rechnen und Rechtschreibung.
  • Offene Lernsysteme Hierbei handelt es sich um didaktisch und hypermedial aufbereitete Inhalte zu einem spezifischen Themengebiet, – häufig versehen mit einzelnen Werkzeugen – z.B. zu den Alpen oder zum Expressionismus.
  • Datenbestände Werden durch Informationssammlungen – in der Regel mit Suchwerkzeugen und mit einer Verweisstruktur – zur Verfügung gestellt, z.B. Enzyklopädien oder Zusammenstellungen von Kunstwerken.
  • Lernspiele Präsentieren pädagogisch entworfene Situationen, in denen die Lernenden in bestimmten Handlungsräumen mit verschiedenen Handlungsmöglichkeiten agieren können und dabei bestimmte Situationen gestalten oder verbessern sollen, z.B. bei der Besiedlung eines Gebiets oder bei der Gestaltung einer Stadt.
  • Werkzeuge Diese dienen als themenunabhängige Programme zur Erzeugung, Gestaltung oder Bearbeitung visueller, auditiver oder audiovisueller Produkte in bildhafter oder symbolischer Form (Austausch unter der Lehrerschaft möglich, da themenunabhängig), z.B. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Musik-Arrangierprogramme, E-Mail- und Chat-Programme.
  • Experimentier- und Simulationsumgebungen Auf der Grundlage vorgegebener oder zu entwickelnder Modellierungen können Prozesse simuliert werden, wobei mit dem Einfluss verschiedener Parameter auf die jeweils modellierten Prozesse experimentiert werden kann, z.B. im naturwissenschaftlichen oder sozialwissenschaftlichen Bereich.
  • Kommunikations- und Kooperationsumgebungen Für Erfahrungs- und Meinungsaustausch sowie für die gemeinsame Bearbeitung von Produkten wird eine Infrastruktur bereitgestellt, z.B. Arbeitsbereiche und Foren.

    [3] Bundesamt für Statistik (BfS) (Hrsg.), Informationsgesellschaft Schweiz, 2002 à ‚Quellen’

    [4] EU-Kommission Bildung und Kultur, eLearning, S.10, 2003 à ‚Quellen’

    [5] EU-Kommission Bildung und Kultur, eLearning, S.10, 2003 à ‚Quellen’


Neue-Medien-Kompetenz | Christian Graf (BS) und Urs Thiede (BS)